BSI-Lagebericht 2022 – Bedrohung durch Cybercrime auf Rekordniveau

Der BSI-Lagebericht 2022 ist da – und laut diesem war die Lage noch nie so gefährlich wie jetzt. Die Bedrohungen durch Cybercrime für deutsche Unternehmen und Privatnutzer sind extremer denn je.

Welche Details der Lagebericht zur aktuellen Lage der IT-Sicherheit in Deutschland enthält und warum er in diesem Jahr mit Verspätung veröffentlicht wurde, verraten wir jetzt.

BSI-Lagebericht 2022: Verspätete Veröffentlichung durch Schönbohm-Skandal

Es ist erst wenige Wochen her, da erschütterte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ein ziemlicher Skandal. Nachdem Jan Böhmermann in seiner Sendung ZDF Magazin Royale über Verstrickungen des damaligen Präsidenten Arne Schönbohm berichtet hatte, geriet die anstehende Veröffentlichung des jährlichen Lageberichts in den Hintergrund. Wer noch einmal alle Details zum Fall Schönbohm nachlesen möchte, dem sei unser Artikel „Böhmermann: BSI-Chef hat Verbindungen zum russischen Geheimdienst – ZDF Magazin Royale deckt Skandal um Arne Schönbohm auf“ empfohlen.

Nachdem Bundesinnenministerin Nancy Faeser die Reißleine zog und Schönbohm seines Amtes enthob, kehrt man im BSI nun scheinbar langsam wieder zum Alltag zurück. Der BSI-Lagebericht 2022 hat also das Licht der Welt erblickt. Und was darin steht, verheißt leider nichts Gutes.

Lagebericht des BSI für 2022: Noch nie war die Bedrohung so hoch

Laut Bericht war die Gefahr, in irgendeiner Form Opfer einer Cyberattacke zu werden, noch nie so hoch wie momentan. Der Einsatz von Ransomware, also Erspressertrojanern, die von ihren Opfern Lösegeld fordern, spielt dabei die größte Rolle. Sehr verwunderlich ist das nicht, haben doch die Cyberkriminellen damit eine sehr lukrative Methode gefunden, ordentliche Gewinnen einzufahren.

Darüber hinaus kam in diesem Jahr auch noch der Russland-Kriege gegen die Ukraine dazu, der sich parallel zum Geschehen an den realen Schauplätzen schnell auch zu einem Cyberkrieg entwickelte. Bereits zu Kriegsbeginn warnte das BSI damals vor Angriffen durch russische Hacker – und die Experten sollten leider Recht behalten.

Und last but not least existiert eine große Sicherheitslücke aufgrund unzureichender Produktqualität auf dem Hard- und Software-Markt. Allein in Software-Produkten wurden im Jahr 2021 mehr als 20.000 kritische Schwachstellen und damit Einfallstore für Hacker registriert.

Angespannte Lage: Europas IT-Sicherheit durch mehrere Faktoren bedroht

Vorab eine gute Nachricht: Bislang blieb eine übergreifende Angriffskampagne durch russische Hacker gegen deutsche Ziele aus. Es gab und gibt zwar immer wieder gezielte Attacken gegen bestimmte Unternehmen, aber zum Glück bis heute noch keinen großen Knall. Trotzdem gilt die Lage in der EU und auch unter den NATO-Partnern als sehr angespannt, denn auch Kollateralschäden durch Cyberangriffe in Nachbarländern sind möglich. Und angesichts der fortschreitenden Kriegsführung durch Putin ist erst einmal keine Besserung in Sicht.

Ebenfalls angespannt ist die Lage in puncto Malware bzw. Erpressertrojaner. Immer mehr Unternehmen sehen sich mit gezielten Angriffen konfrontiert, gleiches gilt für Kommunen, Städte oder auch Krankenhäuser und Regierungsinstitutionen. Gerhard Schabhüser, Vizepräsident des BSI, fasst die Essenz wie folgt zusammen: „Die Bedrohungslage im Cyberraum ist angespannt, dynamisch und vielfältig und damit so hoch wie nie.“

Das BSI appelliert daher weiterhin eindringlich, sich bestmöglich gegen IT-Angriffe zu schützen. Zitat: „Jedes Computersystem, das nicht gehackt werden kann, jede digitale Dienstleistung, die nicht gestört werden kann, ist ein elementarer Beitrag zu einer funktionierenden digital vernetzten Gesellschaft.“

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